Ballaststoffe – 2

Was bewirken Ballaststoffe im Körper?

Bei der Fermentierung von Ballaststoffen entstehen drei kurzkettige Fettsäuren. Propionat wird zur Gluconeogenese genutzt und hemmt möglicherweise die Cholesterinbiosynthese. Acetat dient der Fettsäuresynthese, fördert die Mukosadurchblutung und hemmt möglicherweise die Cholesterinbiosynthese. Die Mukosa ist eine Schleimhaut und dient im Darm unter anderem der Abwehr von Pathogenen Bakterien und Viren. Butyrat ist eine Energiequelle (ca. 200 kcal/Tag) und das Hauptenergiesubstrat für die Kolonozyten. Kolonozytzen produzieren lösliche Faktoren der Immunantwort und regulieren so die Darmflora. Die Effekte der Darmmikrobiota auf unsere Gesundheit sind noch nicht genau untersucht. Die Forschung vermutet Zusammenhänge zwischen der Darmmikrobiota und unserer Gesundheit sowie einiger Krankheiten. Aktuell lassen sich daraus aber noch keine konkreten Handlungsempfehlungen ableiten. Der Einfluss der Ballaststoffe auf unsere Darmmikrobiota ist nach derzeitigem Kenntnisstand aber positiv für die Gesundheit.

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Ballaststoffe helfen einer ausgewogenen und glücklichen Darmmikrobiota. Erste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass dies auch positive Gefühle im Gehirn auslöst

Ein weiterer wichtiger Effekt der kurzkettigen Fettsäuren (und der entstehenden Milchsäure) ist die Reduktion des pH-Wertes. Dies bewirkt die Umwandlung von Ammoniak zu Ammonium, welches fäkal ausgeschieden wird und vermehrt durch die bakterielle N-Fixierung gebunden wird. Dadurch erreicht man eine geringere Ammoniak Resorption im Darm, wodurch die Blut-Harnstoff-Konzentration sinkt und man eine Entlastung von Leber und Nieren erreicht.
Lösliche Ballaststoffe erhöhen die Viskosität des Chymus, dies bewirkt eine verzögerte Magenentleerung und eine beschleunigte Darmpassage. Eine weitere Wirkung der löslichen Ballaststoffe ist die Gelbildung. Gelbildende NSP sind Pektine, Carragene und Alginate. Die Gelbildung wird ermöglicht durch Wasserstoffbrückenbindungen und elektrostatische Bindungen. Dies ist die Ursache für:

– verzögerte Magenentleerung
– schnelleres Sättigungsgefühl
– verkürzte Transitzeit im Dünndarm
– erhöhtes Stuhlvolumen
– weichere Konsistenz

Gleichzeitig ist der Geleffekt eine der Ursachen für eine geringere Nährstoffverdaulichkeit. Weitere Ursachen sind der Käfigeffekt, ein umschließen der Nährstoffe durch die NSP und unspezifische Bindungen durch geladene Gruppen.

Eine vermehrte Zufuhr an Fetten über die Nahrung führt, vermittelt über das Hormon CCK, zu einer vermehrten Freisetzung an primären Gallensäuren. Bei einem hohen pH-Wert wird die Cholsäure zur Desoxycholsäure (durch eine Dehydroxylierung), eine sekundäre Gallensäure, welche eine erhöhte Mutagenität hat. Die Mukosa des Darms kann durch genetische Faktoren Polypen bilden. Die sekundären Gallensäuren erhöhen nun das Risiko, dass sich aus den Polypen ein Adenom bildet, aus welchem wiederum ein Karzinom werden kann. Die bereits angesprochene Senkung des pH-Wert durch die kurzkettigen Fettsäuren behindert die Umwandlung der Cholsäure in die Desoxycholsäure. Außerdem senken die kurzkettigen Fettsäuren die Zellproliferation, sie wirken also gegen die Bildung von Polypen, Adenomen oder Karzinomen. Durch diese Schritte wirken Ballaststoffe der Bildung von Kolon- oder Rektumkarzinomen entgegen. Dies hat eine hohe Effektivität und Butyrat-Einläufe werden in Medizin zur Behandlung von Rektumkarzinomen eingesetzt.

Ballaststoffe haben eine hohe Evidenz, dass sie das Risiko für Koronare Herzkrankheit oder Typ 2 Diabetes mellitus senken, dies ist jedoch noch nicht eindeutig belegt. Der Einfluss auf den Typ 2 Diabetes mellitus wird durch eine verbesserte Insulinsensitivität und verzögerte Magenentleerung erreicht. Dies bewirkt einen konstanteren Insulinspiegel. Der Einfluss auf das Risiko für Koronare Herzkrankheit ergibt sich durch den cholesterinsenkenden Effekt und die verbesserte Insulinsensitivität, da hohe Blutzuckerspiegel die Blutgefäße belasten. In den USA wurde ein Health-Claim für ein geringeres Risiko für Koronare Herzkrankheit durch lösliche Ballaststoffen erlaubt. Die EFSA erlaubte im Jahr 2009 einen Health-Claim für β-Glucan aus Hafer, welches zur Senkung des Cholesterinspiegels beitragen kann.

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Ein Haferbrei, kombiniert mit Früchten, Samen, Kernen oder Kleie, ist eine hervorragende Ballaststoffquelle

Ballaststoffe haben im Gastrointestinaltrakt zusammengefasst folgende Wirkungen:

erwünscht:
– verzögerte Entleerung des Magens
– erhöhtes Sättigungsgefühl
– Bindung von Schwermetallen, Steroiden und Gallensäuren im Dickdarm
– verkürzte Transitzeit im Dünndarm und Dickdarm
– Bindung von Ammoniak im Dickdarm
– Senkung des pH-Werts im Dickdarm
– Zunahme des Stuhlvolumens und Änderung der Konsistenz
– Fermentierung zu kurzkettigen Fettsäuren
– verbesserte Insulinsensitivität

unerwünscht:
– Bindung von Mineralstoffen im Dünndarm
– erhöhte Gasbildung im Dickdarm

indifferent:
– verminderte Resorption im Dünndarm
– Mukosaveränderungen im Dünndarm
Eisenbindung im Dickdarm

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