Aktivkohle – Die schwarze Verführung in Lebensmitteln

Kohlewasser, Kohlekaugummi, Kohlesmoothies und Kohleeis. Sie alle gehören zu den Trend-Foods des letzten Sommers und erwecken mit ihrer schwarzen Farbe selten Appetit auf den ersten Blick. Oder würden Sie freiwillig in eine tief schwarze Pommes beißen? Kohle kennen wir im Zusammenhang mit Lebensmitteln normalerweise nur vom Grill, doch Aktivkohle ist mittlerweile ein beliebter Lebensmittelzusatzstoff (E-Nummer 153).

Wie konnte Kohle also zum Superfood werden?

Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir uns erst klar machen, dass Aktivkohle und Braunkohle nicht das gleiche sind. Während letztere als Lebensmittel-Zusatz ungeeignet ist, so wird Aktivkohle unter Sauerstoffausschluss verbrannt. Kohle wird erst dadurch giftig, dass sie verbrennt. Beim verbrennen entstehen verschiedene Stoffe, welche unter anderem Krebserregend wirken. Dieselben Prozesse finden wir bei Lebensmitteln, wenn diese zu heiß erhitzt werden. Bei der Herstellung von Aktivkohle gelanken keine giftigen Stoffe in die Kohle. Aktivkohle ist dadurch als Lebensmittel unbedenklich.

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Aktivkohle hat nichts mit der verbrannten Kohle eines Grillabends zu tun

Aktivkohle-Smoothies sollen entschlacken und uns dadurch jung und schön halten. Angeblich ist dies das Geheimnis der Stars aus Hollywood. Und diese potentiellen Fähigkeiten der Aktivkohle haben sich schnell rum gesprochen und einen Trend geformt.

Doch wie wirkt Aktivkohle im Körper?

Aktivkohle unterscheidet sich von anderer Kohle noch in einem weiteren Punkt. Aktivkohle hat eine schwammähnliche Oberflächenstruktur und kann so im Darm verschiedene Stoffe binden. Dies ist das „aktive“ an Aktivkohle. Die Oberfläche umfasst dabei bis zu 1300 m² pro g Aktivkohle. Dies macht Aktivkohle im aufnehmen von Stoffen unvorstellbar effektiv. Doch ist dies wirklich gut für die Gesundheit? Das hängt ganz davon ab, was die Aktivkohle bindet. Es ist denkbar, dass Giftstoffe im Darm durch die Aktivkohle gebunden und ausgeschieden werden. Wissenschaftlich belegt ist dies nicht.

Ein großer Nachteil der Aktivkohle ist aber, dass weniger Mikronährstoffe – also Vitamine und Mineralstoffe aufgenommen werden, da diese ebenfalls gebunden und ausgeschieden werden. Unsere Nährstoffversorgung wird durch regelmäßigen Konsum von Aktivkohle also leider schlechter. Auch Arzneistoffe werden vermindert aufgenommen, was zu Problemen bei Medikamenten führen kann. Im Gegensatz zu den vermeintlich positiven Wirkungen, wurden die negativen Wirkungen durch Studien belegt.

Eine Entschlackung lässt sich durch Aktivkohle übrigens nicht erzielen. Aber das liegt nicht an mangelnder Wirkung durch die Aktivkohle, sondern daran, dass es im Körper keine Schlacke gibt. Das Konzept von Entschlackung/Detox-Kuren und ähnlichem beruht nicht auf dem Wissen physiologischer (Stoffwechsel-)Prozesse und lässt sich wissenschaftlichen weder erklären noch belegen.

Aktivkohle als Lebensmittel ist bei gelegentlichem Verzehr also unbedenklich. Positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat sie aber leider nicht. Zur Abwechslung, oder als Unterhaltung auf einer Party, können schwarze Lebensmittel aber durchaus beitragen.

Aktivkohle hat aber eine relevanz in der medizinischen Anwendung. Bei schweren Fällen von Durchfall oder Diarrhoe, kann Aktivkohle helfen die beschwerden zu lindern. Dies liegt daran, dass Aktivkohle das Wasser binden kann und dem Fäzes so mehr konsistenz gibt. Desweiteren wird Aktivkohle bei akuten Vergiftungen genutzt um Giftstoffe auszuscheiden. Dies aber nicht vergleichbar mit der im Sinne des „Detox“ beschriebenen Entgiftung von „Schlacke“ (es gibt keine Schlacke im Körper).

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Schwarz gefärbte Lebensmittel wie Icing oder Eis sind ein echter hingucker. Photo by Buenosia Carol from Pexels

Macht Aktivkohle denn wenigstens schön?

Diese Behauptung lässt sich mit Ja beantworten. Allerdings nicht durch Aktivkohl- Lebensmittel, sondern Kosmetikprodukte. Aktivkohle im Shampoo kann beispielsweise helfen die Kopfhaut zu entfetten. Bei zu häufiger Anwendung kann die Kopfhaut aber austrocknen.

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